Presseerklärung der grünen Fraktion im Samtgemeinderat Bodenwerder-Polle
Polle. Der Wasserverband WVIW Ithbörde treibt den Bau der Abwasserleitung von Brevörde nach Holzminden weiter voran. Die Möglichkeit, die Abwässer vor Ort soweit vorzuklären, dass auf eine so teure Leitung verzichtet werden kann, wurde bereits im letzten Jahr vom früheren Landrat Waske in Erwägung gezogen, aber vom WVIW nicht näher untersucht.
Dazu hat der Fraktionssprecher der Grünen im Samtgemeinderat Bodenwerder-Polle 7 Fragen an den Samtgemeindebürgermeister Lienig gerichtet, die im Januar vom Geschäftsführer des WVIW, Henning Stegie (kursiv gedruckt) beantwortet wurden:
- Könnte eine Vorklärungsanlage auf dem Gelände der Firma Petri die Abwässer so weit klären, dass in der Brevörder Anlage die Nachklärung erfolgen könnte und eine Transportleitung nach Holzminden somit überflüssig wäre? (Im Sommer 2011 wurde diese Möglichkeit vom Wasserverband noch erwogen.)
Prinzipiell ist eine weitere Vorklärungsanlage möglich. Zum Beispiel kann mittels einer Flotationsanlage aber auch durch Membrantechnologieeine weitergehende Abwasservorreinigung erzielt werden. Die Kläranlage Brevörde könnte die derzeitigen Abwässer dann aufnehmen. Diese technische Variante kommt aus der Sicht des WVIW nur dann in Betracht, wenn die Abwassertransportleitung als Vorzugsvariante nicht realisierbar wäre. Restriktionen im betrieblichen Abwassermanagement bleiben aber bestehen und es gibt keine strategische Perspektive für die Entwässerung der ehemaligen SG Polle.
- Wenn ja, was würde eine solche Vorklärungsanlage in etwa kosten?
Nach Schätzung des WVIW aus Januar 2011 wurden investive Kosten in Höhe von 533.000 € angenommen.
- Wie hoch sind die kalkulierten Kosten für die geplante Abwassertransportleitung?
Die Projektkosten sind mit 2.620.000 € angesetzt.
- Wäre die geplante Abwassertransportleitung eine reine Überschussleitung?
Die Abwassertransportleitung würde als Überschussleitung betrieben, könnte aber bereits im 1. Bauabschnitt weitere Entwässerungen des Raumes (z.B. Forst) leisten.
- Müssten vor der Weiterleitung der überschüssigen Abwässer nach Holzminden diese in der Brevörder Anlage aufbereitet werden, so dass sie z.B. einen bestimmten CSB-Wert nicht überschreiten?
Nein.
- Ist ein 2. Bauabschnitt geplant, um eventuell im Falle einer Stilllegung der Brevörder Anlage sämtliche Abwässer nach Holzminden zu bringen?
Die Abwassertransportleitung ist auf die problemlose Nachrüstung einer 2. Leitung ausgerichtet. Die Herstellung der 2. Leitung kommt in Betracht, wenn die bestehende Kläranlage Brevörde altersbedingt umfassend erneuert werden muss. Gegenüber einer Erneuerung der Kläranlage könnten dann erhebliche Einsparungen erzielt werden. Es bestünde die Option, den 2. Bauabschnitt früher zu realisieren, wenn z.B. außergewöhnliche Investitionen oder gesetzliche Änderungen in der Zukunft aufwendige Maßnahmen an der Kläranlage erfordern würden.
- Wurde schon einmal erwogen, über ein spezielles Verfahren aus den Problemabwässern (oder Teilen davon) der Firma Petri Energie zu gewinnen? So etwas soll möglich sein.
Eine Verwertung der mit einem Flotationsverfahren abzusondernden Fette als Energieträger anstelle der regulären Abfallentsorgung wäre aufzugreifen, wurde aber hier nicht näher untersucht.
Die Grünen sehen sich durch diese Stellungnahme des WVIW darin bestätigt, dass der Wasserverband mit der Entscheidung zum Bau der Abwasserleitung an Stelle einer ausreichenden Vorklärung vor Ort durch den Verursacher eine Entscheidung zum Nachteil aller anderen Gebührenzahler getroffen hat. In einem soliden (Finanzierungs)konzept wären die Gesamtkosten des Projekts aus dem ersten und dem zweiten Bauabschnitt den anderen Varianten, z.B. auch dem Bau einer ausreichenden Vorklärung gegenüberzustellen.
