E-Mail

Wenn Sie uns schreiben wollen, bitte eine EMail senden an: mail[at]gruene-polle.de

Ihre Meinung ist uns wichtig!

Welche Straßenlampe gefällt Ihnen am meisten?

View Results

Loading ... Loading ...

Wohin mit dem Salz?

Weserversalzung - welche Lösung favorisieren Sie?

View Results

Loading ... Loading ...

QR-Code

QR Code

Artikel TAH Sonnabend, 21. April 2012

Projekt Abwasserleitung sorgt weiter für Debatten

Dielmissen (fhm). Direkt hinter den Ausschussmitgliedern beginnen schon die Reihen der Zuhörer. Fast 70 Interessierte verfolgten die Sitzung des Kreisbauausschusses in Dielmissen, in der vom Wasserverband Fakten und Zahlen zur geplanten Abwassertransportleitung Brevörde-Holzminden auf den Tisch gelegt wurden. Seit drei Jahren wird über dieses Projekt intensiv diskutiert. Henning Stegie, Geschäftsführer des Wasserverbandes Ithbörde/Weserbergland, stellte in einer ausführlichen Präsentation die Einzelheiten und die Kalkulationen des Wasserverbandes vor. Danach gab es eine intensive Diskussion um die verschiedenen Aspekte dieses Vorhabens. Eine Beschlussempfehlung, ob der Landkreis 200.000 Euro Zuschuss freigeben soll, gab der Ausschuss nicht.

Henning Stegie: Man kann prinzipiell keine Gebührengarantie geben

Wasserverband präsentiert Zahlen und Fakten zur geplanten Abwassertransportleitung Brevörde-Holzminden

Dielmissen (fhm). „Das ist des Landkreises Holzminden nicht würdig; Bestuhlung mit Bierbänken bei einer öffentlichen Sitzung. Kreistagsabgeordneter Peter Ruhwedel, der als Zuhörer gekommen war, formulierte gleich zu Beginn den Ärger und das Unverständ­nis einiger Bürger. Im Sitzungsraum des Wasserverbandes Ithbörde/ Weserbergland kam am Donnerstagnachmittag der Bau- und Umweltausschuss des Landkreises Holzminden zusammen, um sich über Zahlen und Fakten zur geplanten Abwassertransportleitung Bre­vörde-Holzminden zu informieren. Der Kreistag hatte die vorgesehene Fördersumme von 200.000 Euro mit einem Sperrvermerk versehen. Dieser soll erst dann wegfallen, wenn die Öffentlichkeit über dieses Projekt ausreichend unterrichtet wird.

„Warum hat man diesen Ort gewählt, obwohl man wusste, dass viele Leute kommen?, fragte Hans Peter Sawatzki. Etwa knapp 70 Interessierte waren der Einladung nach Diel­missen gefolgt, 40 von ihnen fanden im Sitzungssaal einen Stuhl, weitere 30 nahmen im Vorraum auf Bierbänken Platz. Für sie wurde die Präsentation auf eine Leinwand übertra­gen. Wilhelm Brennecke, Ausschussvorsitzender, begründete die Entscheidung für diesen Tagungsort mit dem Beschluss des Wasserverbandes, die Öffentlichkeit in seinen Räum­lichkeiten zu informieren.

Henning Stegie, Geschäftsführer des Wasserverbandes, stellte mit einer Powerpoint-Prä­sentation das Projekt „Abwasserleitung Brevörde-Holzminden” vor. Es gebe Handlungsbe­darf, weil ein in Glesse ansässiger Frischkäsehersteller auf Wachstumskurs sei und so dem Landkreis weitere Arbeitsplätze und Finanzkraft beschere. Das sei wichtig und müs­se unterstützt werden. Der Wasserverband habe die Abwasserbeseitigungspflicht, die in der Kläranlage Brevörde aber an Grenzen stoße. Schon jetzt werde deshalb ein Teil der Abwässer aus Glesse per Lkw zu anderen Kläranlagen gefahren. Die Anlage in Brevörde könne die Massen und die Art der Abwässer nicht immer fassen. Stegie verwies darauf, dass die Abwassermenge der Firma Petri seit 2007 um 54 Prozent gestiegen sei. Im ver­gangenen Jahr wurden fast 70 Prozent der Gesamtmenge ins Kanalnetz eingeleitet und der Rest per Lkw zu anderen Kläranlagen gefahren. Insgesamt seien 700 Lkw-Touren durchgeführt worden. „Das ist ökologisch nicht sinnvoll, so Stegie.

Ein Vergleich von Investition und Folgekosten habe gezeigt, dass eine Transportleitung gegenüber den Baukosten für eine Erweiterung der Kläranlage die wirtschaftlichere Lö­sung sei. Insgesamt sechs Varianten wurden untersucht: Eine Erweiterung der Kläranlage würde 4,22 Millionen Euro kosten. Die direkte Transportleitung von Glesse über Bevern nach Holzminden 1,7 Millionen Euro, die Direktverbindung von Glesse nach Holzminden 2,25 Millionen Euro. Diese Varianten erhielten aber keine Zuschüsse. Eine Transportlei­tung von Brevörde nach Holzminden für alle Abwässer der ehemaligen Samtgemeinde Polle wurde auf 3,8 Millionen Euro geschätzt, würde aber erst nach Abschreibung der Kläranlage Brevörde (2037) möglich sein. Die Transportleitung Brevörde-Holzminden, die als Überschussleitung konzipiert wird, sei die beste Lösung mit 2,62 Millionen Euro Inves­titionskosten. 1,1 Millionen Euro gäbe es dafür als Landeszuschuss. Das würde auch, so Stegie, zu einer Entlastung der Gebührenzahler führen.

Eine Vorklärungsanlage in Glesse würde zwar nur Investitionskosten in Höhe von 533.000 Euro verursachen, wäre aber durch die Betriebskosten ein Zuschussgeschäft und würde die Gebührenzahler mit 147.000 Euro mehr belasten. Natürlich, so Stegie, könnte das Unternehmen in Glesse selbst eine Flotationsanlage als Vorklärung für ebenfalls 533.000 Euro bauen und dadurch den Starkverschmutzerzuschlag sparen. Derzeit zahlt die Firma Petri 91.000 Euro pro Jahr. Allerdings würden dadurch nur aktuelle Kapazitätsprobleme gelöst. Eine expansive Entwicklung der Firma Petri würde infrastrukturell nicht gestützt, machte Stegie deutlich. Auch jede strategische Perspektive für die künftige Abwasserent­sorgung der Alt-Samtgemeinde Polle wäre dadurch auch hinfällig. Die Flotationsanlage, die vom Wasserverband in Glesse errichtet werden könnte, wäre „für uns der Plan B, wenn die Abwassertransportleitung nicht realisierbar wäre, sagte Stegie abschließend.

Kreistagsabgeordneter Wilhelm Weißenborn (CDU) machte deutlich, dass es ihm nicht darum gehe, die Firma Petri in irgendeiner Weise zu schädigen. „Wir sind nicht gegen Petri, aber wir glauben nicht, dass bei uns die Lichter ausgehen, falls Petri gehen wür­de. Er wolle nur, dass wirklich alle Fakten auf den Tisch kommen und mit offenen Kar­ten gespielt werde. Er habe jetzt während des Vortrags wieder neue Zahlen gesehen.

Kreistagsabgeordneter Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) lobte, dass die Geheim­niskrämerei des Wasserverbandes mit dieser Ausschusssitzung ein Ende habe. Nur auf die Kernfrage des Themas habe er keine Antwort gehört: „Gibt es in den nächsten Jahren eine Gebührenerhöhung? „Man kann prinzipiell keine Gebührengarantie geben, räumte Stegie ein: Schließlich seien immer negative Einflüsse möglich. Derzeit müsse sowieso neu kalkuliert werden, da wegen des Gerichtsurteils die zu viel gezahlten Gebühren zu­rückgegeben werden. Das müsse schließlich im Haushalt irgendwie ausgeglichen werden.

Kreistagsabgeordneter Heinrich Harling (SPD) bekannte seine Zustimmung zum Bau der Transportleitung. Er bitte darum, dass eine Anbindung der Samtgemeinde Bevern über­prüft werde. Auch sein Fraktionskollege Wilhelm Bußhoff unterstützte den geplanten Lei­tungsbau. „Wir sind im Landkreis nicht mit Arbeitsplätzen gesegnet. Petri habe in den ver­gangenen Jahren auf 200 Arbeitsplätze erhöht und wolle weiter expandieren. Nach der Diskussion ließ der versiert führende Vorsitzende Brennecke zahlreiche Zuhörerfragen zu. Eine Empfehlung hat der Ausschuss nicht getroffen. Die endgültige Entscheidung, ob der Sperrvermerk aufgehoben wird, trifft der Kreistag in seiner Sitzung am 2. Juli.

Noch einmal zur Diskussion: Peter Ruhwedel, Gerd Henke, Alexander Titze, Uwe Uecker, Georg Petau, Rudolf Hansmann, Jürgen Holfort, Susanne Petri, Gerhard Deike und weite­re Zuhörer fragten nach Details des Projekts. Mehrere Zuhörer plädierten für die Umset­zung des Plans B und den Bau einer Flotationsanlage. Ebenfalls wurden bestimmte Be­rechnungen des Wasserverbandes kritisch hinterfragt.

Auf der Internetseite des Wasserverbandes www.wviw.de ist der komplette Vortrag des Geschäftsführers Stegie im Ausschuss nachzulesen. Zu finden ist er dort in der Rubrik „Aktuelles”.

Aufmerksam verfolgen die Zuhörer im Sitzungssaal dem Vortrag von Henning Stegie.

Landrätin Schürzeberg, Vorsitzender Brennecke und Geschäftsführer Stegie (von links). Oben die Zuhörer auf den Bierbänken vor dem Saal.

Print Friendly

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Abwassertransportleitung

Die Präsentation zur "Abwassertransportleitung Brevörde - Holzminden", die in der öffentlichen Sitzung des Fachausschusses Bauen und Umwelt des Landkreises Holzminden am 19.04.2012 vorgestellt wurde, hat der WVIW auf seinen Webseiten veröffentlicht unter http://wviw.de/aktuelles

Top Themen